Interessengemeinschaft Nachhaltige Entwicklung Borkum

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 Verkehrskonzept 

Bei der Borkumer Landpartie 2009 haben die Besorgten Borkumer Bürger deutliche Kritik an ihrem Stand zur Aufklärung über die Kohlekraftwerke in Eemshaven wahrgenommen: "Seht erstmal zu, dass die Luft auf Borkum besser wird!"
Bereits 2003 ergab die Gästebefragung einer Diplomarbeit (Albrecht 2003) ein deutliches Bild: 52,3 Prozent der Borkumer Bürger (96 Befragte) und 73,9 Prozent der Gäste (317 Befragte) möchten, dass der Autoverkehr auf der Insel eingeschränkt wird. Dieses Thema war somit der wichtigste Punkt für die Gäste UND Insulaner (siehe Grafik rechts).

 
Abbildung links: Was ist den Bürgern auf Borkum wichtig?
Abbildung rechts: Was ist den Gästen der Insel wichtig?

Wer zu Fuß oder mit dem Rad an einer der stärker befahrenen Straßen unterwegs ist, der kann das Ergebnis bestens nachvoll-ziehen. Schwerlastverkehr und zahlreiche Autos lassen einen den Atem immer wieder für einige Sekunden anhalten, weil die frische Nordseeluft mit Abgasen verpestet wird. Unter den Einwohnern wird an manchen Tagen über die Reedestraße gespottet: "Wieder Stau auf der A 1...". Für den Tourismus eines Kurortes im Reinluftgebiet mit dem Prädikat "Nordseeheilbad" ist dies nicht förderlich.
Der Inhaber der Borkumer Auto-Werkstatt, Peter Wegmann, brachte es am 5. Mai 2010 beim 2. Runden Tisch der Besorgten Borkumer Bürger auf den Punkt: "So, wie der Autoverkehr im Moment auf Borkum stattfindet, kann es nicht weitergehen!"

Die Interessengemeinschaft Nachhaltige Entwicklung möchte an dieser Stelle Möglichkeiten aufzeigen, die in die Entwicklung eines ganzheitlichen Borkumer Verkehrskonzeptes einfließen können.

Öffentlichkeitsarbeit
Der Individualverkehr stellt ein großes Problem auf Borkum dar. Kinder werden mit dem Auto zum Kindergarten oder zur Schule gebracht, der Einkauf wird mit dem Auto erledigt, am Wochenende wird mit dem Auto ein Ausflug zum Ostland unternommen...
Öffentlichkeitsarbeit ist grundlegend wichtig, um den Individualverkehr zu problematisieren und umweltfreundliches Unterwegssein zu fördern. Dies kann und sollte bereits im Kindergarten erfolgen. Darüber hinaus können aufklärende Handzettel per Postwurfsendung an alle Haushalte verteilt werden. Im Rathaus können Broschüren bereitliegen oder auf der Internetpräsenz der Stadtverwaltung ein Umweltinformationssystem etabliert werden.
Wäre es nicht sinnvoll, wenn Eltern aus einer Straße sich zusammenschließen und Fahrgemeinschaften zum Kindergarten oder zur Schule bilden? Ein Elternteil könnte somit 2-3 Kinder aus der Nachbarschaft mitnehmen.
Wäre es nicht sinnvoll, den Wochenendausflug mit dem Fahrrad zu gestalten? Somit ist man viel flexibler als mit einem Auto, das auf dem Parkplatz stehen bleiben muss.
Wäre es nicht sinnvoll, bei Kurzfahrten von ein bis zwei Kilometern grundsätzlich das Fahrrad zu benutzen?


Finanzielle Anreize

Abwrackprämie für Fahrräder
Ähnlich wie es eine Abwrackprämie als Anreiz zum Autoneukauf gab, könnte es eine solche Prämie auch geben, um den Neukauf eines Fahrrades zu fördern. Wer ein neues Fahrrad gegen seine "alte Möhre" wechselt, der hat auch viel mehr Spaß beim Radfahren und ist motiviert, öfters den Drahtesel zu benutzen.
rad-im-quadrat.de
fnp.de
taz.de

Fahrradanhänger
Die Stadt könnte den Kauf eines Fahrradanhängers bezuschussen, so dass auch Einkäufe oder Transporte von schweren Gegenstände mit dem Fahrrad bewältigt werden können.

Car-Sharing
Die Stadt könnte ein Gemeinschaftsauto bezuschussen, das von einer bestimmten Gruppe von Autofahrern gemeinschaftlich genutzt wird. Auf 
handelsblatt.com ist über die Vor- und Nachteile des Car-Sharings zu lesen.

Fahrradfreundlichkeit
Borkum muss fahrradfreundlicher werden!
Die Busse auf Borkum müssen mit Fahrradträgern ausgestattet werden. Die
Sylter Verkehrsgesellschaft ist hierbei Vorreiter mit am Heck befestigten  Fahrradträgern oder  Fahrradanhängern und beweist, dass dieses Angebot seit Jahren sehr gut angenommen wird. Zum Vertiefen des Themas:  Modellprojekt "Fietsenbus".
Ein weiterer wichtiger Punkt wäre die Errichtung von Fahrradpark-plätzen mit
Anlehnbügeln an ausgewählten Orten auf der Insel. Frankreich geht hierbei einen Schritt voraus und schreibt in einem neuen Umweltgesetz Fahrrad-Abstellanlagen vor.
Um dem Nebeneinanderfahren von Radfahrern auf Deich- und Reedestraße vorzubeugen, ist ein Fahrradstreifen auf der Fahrbahn überlegenswert.

Borkumer Verkehrsregel
Für die Nordseeinsel Borkum könnte eine Verkehrsregel aufgestellt werden, über die bereits vor Ankunft auf der Insel in den Reise-prospekten, Internetportalen, auf der Fähre usw. aufgeklärt wird. Die Regel wäre an die Vorfahrtsregelung im Wassersport angelehnt und hätte zur Folge, dass der Schwächere im Straßenverkehr immer Vorfahrt genießt. Dies bedeutet: Fußgänger vor Radfahrer vor motorisierten Zweirädern vor Kraftfahrzeugen vor Lastkraftfahrzeugen. Eine solche Verkehrsregel kann helfen, die Geschwindigkeit und das Maß der Aggression im Alltagsverkehr zu senken.

Güterumschlagsplatz
Es sollte ein Such- und Findungsprozess für Güterumschlagsplätze auf Borkum initiiert werden. Diese Idee geht zurück auf den 2. Runden Tisch der Besorgten Borkumer Bürger am 5. Mai 2010. Bei der Planung sind die Belange der Anwohner und des Naturschutzes in einem partizipativen Prozess von Beginn an zu berücksichtigen. Von den Güterumschlagsplätzen könnten kleinere Fahrzeugeinheiten mit Elektroantrieb die Güter in den Ort transportieren. Auf diese Weise wäre es möglich, das Aufkommen des Schwerlastverkehrs im Ort zu verringern und Lärm- und Abgasemissionen zu senken. Die Etablierung einer E-Mobil-Flotte könnte darüber hinaus ein Bestandteil eines 
Modellprojekts "Smart Grid" auf Borkum sein.

ÖPNV-Flatrate
Orte wie Hasselt, Lübben oder Templin machen es vor: Öffentlicher Personennahverkehr zum Nulltarif - mit dem Ergebnis, dass Bahnen und Busse besser ausgelastet sind und der Individualverkehr zurückgeht. Das Fahrgastaufkommen konnte in einem erheblichen Maße erhöht werden
( wikipedia.de). 1:1 ist dieses Konzept möglicherweise nicht auf Borkum zu übertragen. Doch es stellt einen sehr guten Denkanstoß dar.
Was wäre, wenn ein Gast - egal wie alt er ist und egal, wie lange er sich auf der Insel aufhält - 4 Euro für eine ÖPNV-Flatrate bezahlt? Bei rund 230.000 Gästen pro Jahr wären dies 920.000 Euro Einnahmen. Im Gegenzug darf  der Gast während seines Aufenthaltes so häufig er möchte den Busverkehr auf Borkum kostenlos nutzen.
Was wäre, wenn ein Borkumer Bürger - egal wie alt er ist - 20 Euro für eine ÖPNV-Flatrate bezahlt? Bei 5.186 Einwohnern (Stand 2009) wären dies 103.720 Euro Einnahmen pro Jahr. Im Gegenzug darf der Bürger so häufig er möchte den Busverkehr auf Borkum das gesamte Jahr über kostenlos nutzen.
Bei dieser Kalkulation kommen Gesamteinnahmen in Höhe von 1.023.720 Euro zusammen, die eine ÖPNV-Flatrate für Borkum ermöglichen könnten. Es versteht sich von selbst, dass für den Erfolg einer solchen Flatrate die Taktfrequenzen des Busverkehrs heruntergesetzt werden müssen. Wartezeiten sollten nicht länger als 15-20  Minuten dauern.
Das Vorhaben muß zudem von Beginn an die Menschen für sich gewinnen: Öffentlichkeitsarbeit ist elementar wichtig!

Bäume für Deich- und Reedestraße
Deich- und Reedestraße können als die "Hauptverkehrsstraßen" von Borkum bezeichnet werden. Sie in eine Allee zu verwandeln, hätte nicht nur eine begeisternde optische Aufwertung zur Folge, auch das Kleinklima würde dadurch verbessert werden. Bäume haben große Bedeutung für den Immissionsschutz in der Stadt, dies betrifft vor allem die Senkung der Konzentrationen von Ozon, Stickoxiden, Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und Feinstaub (
forstpraxis.de).
Die Bürgersteige und die Fahrbahn der Straßen sind gemeinsam so breit, dass Bäume problemlos gepflanzt werden könnten. Begeh- und befahrbare Baumschutz-Roste (
Beispiel 1 oder Beispiel 2) ermöglichen, dass die Breite nur unwesentlich kleiner werden würde. Bei Bepflanzung der Straße könnten Parkbuchten geschaffen werden. Dies verringert an ausgewählten Stellen die Fahrbahnbreite und hilft, die Fahrgeschwindigkeiten zu senken.
Die Baumpflanzungen könnten mit besonderen Anlässen verbunden werden. Die folgenden Links veranschaulichen beispielsweise die Idee von Geburten- und Hochzeitsbäumen:
 Entlebuch
Bitzen / Dünebusch
Tuttlingen

Autofreier Sonntag
Diese Idee ist in Anlehnung an die
autofreien Sonntage während der Ölkrise 1973 entstanden. Ob, wie und in welcher Häufigkeit ein solches Ereignis auf Borkum realisierbar ist, gilt es herauszufinden.
hvv.de
hannover.de
radiobremen.de
upi-institut.de
ngo-online.de



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